Landau wächst! Und nun?

Wenn Ziele übererfüllt werden, gibt es Spannungen auf dem Wohnungsmarkt

Am 20.04.2018 gab die Stadtverwaltung eine Pressemitteilung heraus und kommentierte damit den zweiten Monitoring-Bericht zur Wohnungsmarktbeobachtung. Nach diesem ist die Bevölkerung seit dem letztem Zensus vom 09.05.2011 um 7,1% angestiegen. Damit liegt Landau auf Platz zwei beim Bevölkerungswachstum – direkt nach Mainz. Auch wurde der Meilenstein von 47.000 Bewohner*innen überschritten. Es wird davon ausgegangen, dass Landau im Laufe des Jahres 2018 die von der Firma ImWIS für das Jahr 2030 prognostizierte Einwohnerzahl von 47,395 Menschen überschreiten wird.
Der Stolz Landaus seien weiter  die seit 2015 insgesamt  945 fertiggestellten Wohnungen, nebst 1033 weiteren erteilten Baugenehnmigungen. Das sind zwar schöne Zahlen, ja. Aus der Abnehmersicht zeichnet der Landauer Wohnungsmarkt allerdings ein anderes Bild.

Laut miete-aktuell.de liegt die Durchschnittliche Kaltmiete bei 9,15€ pro m². Zur Erinnerung: der Bundesdurchschnitt liegt bei (nur) 8,79€ pro m². Diese Zahlen liegen zwar nicht besonders weit auseinander. Allerdings sind gerade Single-Wohnungen mit 11,51€ pro m² im Schnitt unglaublich hoch angesetzt. Und das, obwohl insbesondere diese Wohnungen für sozial Schwächere, die Aufgrund ihrer Einkommenstruktur eine geringere soziale Mobilität besitzen, enorm wichtig sind. Wer nun wenig hat, muss in Landau umso mehr in die Miete investieren. Dadurch können diese Menschen keine Spareinlagen aufbauen, und die sozialen Aufstiegschancen sickern hinab in den steigenden Mietsatz: Gesellschaftliche Isolation hooray!

Was uns Studis das angeht? Diese Entwicklungen sind nicht auf einen Teil des Wohnungsmarktes begrenzt. Im Gegenteil: Sie breiten sich aus, und intensivieren sich. Es trifft hier die Ärmsten – wie so häufig – einfach als Erstes.

Laut einem Spiegelartikel vom 28.05.2014 machen Singlewohnungen den häufigsten Haushaltstyp in Deutschland aus, Tendenz steigend.
Oberbürgermeister Hirsch betont zwar immer wieder wie wichtig bezahlbarer Wohnraum ist, doch scheint die Einsicht, dass der Plan der Stadt auf alten – durch die Realität längst überholten – Zahlen basiert, noch zu fehlen. Landau braucht dringend bezahlbaren Wohnraum, der sich an die demographische Entwicklung der Stadt richtet und nicht an unsinnigen Bauprojekten für höherpreisige Wohnungslagen. Nur durch integrative Wohnraumgestaltung können weite Teile der Bevölkerung weiter – oder wieder – teilhaben am respektablen gesellschaftlichen Leben. Wenn als Hauptgrund der horrenden Mieterhöhungen ausschließlich der Zuzug von Studierenden angegeben wird (was auch das rasante Bevölkerungswachstum erklärt), sollte die Stadt sich mehr auf diese Menschen einlassen. Durch eine bewusst sozial-gestaltende Politik, sowohl auf dem Wohnungsmarkt als auch im kulturellem Bereich. Förderungen für Wohngemeinschaften wäre da ein möglicher Schritt.

Die Stadt sollte auch aufpassen, dass sie die Studierenden nicht gegen die Armen ausspielt. Auf dem Wohnungsmarkt kommt es wieder zu Spannungen zwischen finanziell schwächeren und Studierenden, da sie dasselbe Segment auf dem Wohnungsmarkt abgreifen wollen Durch klugen sozialbau kann die Stadt da korrigierend und vor allem regulierend einwirken. Dies würde ein anderes Gemeinschaftsgefühl und eine andere Kiezkultur herausbilden die einer vielfältigen Stadt wie Landau nur gut tun würde.

 

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