Si vis pacem para somnun

Bildrechte Marianne Bleu

Sehr geehrte Leser und Leserinnen,

mit ziemlicher Sicherheit ist für Sie, besonders als moderner Leistungsstudent, denn das ist die überwiegende Mehrheit in Zeiten vom marginalisiertem Studium Generale und sechs Semester Power-Bachelor, Schlaf nur das notwendige Übel um seinen ausgelaugten Geist und Körper etwas Ruhe vor sich selbst und dem nächsten Leistungsoutput zu ermöglichen. Natürlich freuen wir uns alle auf den Schlaf nach einem unermüdlichen und knochenbrechenden Tag, aber irgendwie geistern die Gedanke schon um den morgigen Tag und seine Anstrengungen. Der unschuldige Schlaf wird getrübt durch den zukunftsgerichteten Alltagsblick. Der Schlaf wird somit zum direkten Mittel des Zweck. Geschlafen wird nicht mehr zwecklos, es dient nur noch der Erholung. Ausgeschlafen wird, wenn sich einmal dieser Luxus „gegönnt wird“, aufs Wochenende ausgelagert, jedoch auch da meist durch eine Wecker oder zwanghafte innere Uhr gestört, da ja auch die Freizeit optimal genutzt werden will.

Mit diesem barbarischen Umgang sollte gebrochen werden. Nehmt euch raus, so lange wie es Körper und Geist benötigt zu schlafen. Es gibt wohl keinen erquickenden Moment als der des schleichende Erwachen des Geistes und der darauffolgenden Entscheidung sich wieder umzudrehen und der Welt im wahrsten Sinne des Wortes den Rücken zuzukehren.  Auch durch die mehrfache Wiederholung dieser Vorgangs stumpft diesen Genuss nicht ab. In diesem Moment, dem Dämmern steckt ein mehr oder weniger utopischer Momentum. Das Zwielicht zwischen Ration und Iration. Der Moment an dem Gedanken Realität machen. Zweckloses Rumliegen und seinen Gedanken beim Umherschwirren beobachten. Gelöst von Schein, gebunden ans Sein.  Ein Leben ohne verwertbare Zeit. Dieses brutale Mittel der Arbeitsteilung wird entwertet und ein kleines Stück Utopie wird sichtbar. Ein stiller Protest gegen die allumfassende Leistungsperformance. Je mehr der utopische Moment aus den Kopfkissen und Schlafsäcken in die Köpfe sickert, desto rosiger erstrahlt der nächste Tag. Schon die Bibel strafte frühe Vögel konsequent ab: „Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht“ Psalm 127.


 

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