Ghost In The Shell

Bildrechte: Philipp Steiner.

Hinter’m Walde, tief im Teich, da wohnt ein Innergeist, ein Geist in einer Nussschale. Er ist nicht jener Geist – der Mensch, der sich darin erkennt – und ist es doch. Wie paradox. Sie brauchen sich, so wie die der Mond die Sonne zum Leuchten braucht, und wie die Teekanne das Loch.

Ich darf mich vorstellen. Ich bin der Geist, der ich schon immer war. Ich bin ich – ich bin, wenn ich mich selbst von mir erkannt erkenn‘, beleuchtet und ganz bei mir, ganz bei mir. Ich bin tiefster Raum, bin Anker und Schiff zugleich, doch beides nie zu gleicher, wenn auch ewiger Zeit. Ich erlebe, bewege und drehe mich in mir und dreh‘ mich um mich selbst, verstehe alles kurz, ganz kurz, und winde und wende mich dann wieder. Jetzt benenn‘ ich mich lieber, bevor das Konzept schon wieder verfällt. Und gerade jetzt, da bin ich: The Ghost in the Shell.

Ich bin, wie du vielleicht schon weißt, der Geist, der ab und an nicht sputen will… sich in sich selbst verläuft und dann nicht ruhen will… der sich verführt zum Denken und Bilderverrenken, gewillt zu schaffen und packen zwar, doch ewig drehend und wendend und stetig im Griff der trüben Gestirne befangen – ach, dann und wann, da rappelt es, hat es mal wieder einen klaren Verstand zerschellt und während die Scherben noch schwerelos schweben, beleben und lähmen zugleich die tausend entweichende Lebensideen und flehen um segnende Achtung der wachenden Seele. Niemand mag die Schuld hier tragen, niemand mochte die gellenden Rufe vernehmen, obgleich es die eigenen waren, und am Ende steht allein ein Fragezeichen, einsam und ohne helfende Hände und fragt sich selbst nach einer offenen Tür, nach einem Weg zu mir. Armes Symbol der Lehre und Leere, das immerzu nach Fülle und nach Antwort sucht. ‚Komma her, hilf, verknüpfe, komm auf den Punkt, komm Begriffe erschaffen.‘ Du ahnst schon, alle müssen wir ran. Alle für einen und einer für alle und einer muss es ja tun und sie alle zu raffen, und gar nicht mal selten ergaben die richtigen Fragen hier richtig gestellt einen ganz guten Anfang. Man muss ja nicht jegliche Wolle gedanklicher Logik entwirren, zumal das Wissen um Unwissen gerne sich wärmend um die Seele legt. Oft genug ist’s Zwist, der sonst sticht und in jeglich Sicht blendend sich bricht. Komm, Freund, wenigstens für sich, für mich, da mag man sich um inneren Frieden bemühen, auf dass auch And’re davon profitieren. In jedem Hindernis versteckt sich ein Grund, der auf sich kommen lässt. Lass dich nicht darauf hernieder. Ich, als Humanighostist unterstell‘ uns Fähigkeit und Antrieb, dass doch Keiner so recht im inneren Widerstand sein Häuschen erbauen will. Denn trete ich ernsthaft erst gegen mich an – im Streit, mit mir oder Ander’n – und so, dass ich nicht kapitulieren kann, dann kann ich gewiss auch nicht wirklich gewinnen. Da löse ich mich einfach auf und hinterlasse dem Rest von mir die feine Spur der höheren Stimme: Hey, erdrück‘ es nicht. Lass los. Lieber lernen zu bekennen und lieben und lassen, erkennen und lieber nimmer hassen.

Im guten und tugend‘ten Tun und freilich im Hohn bin ich frei, der Körper folgt dem geübten Ruf und Lohn sei ihm sein gutes Brot, sein teu‘res Kleid und ab und zu der Distinktheit ein Schmankerl vom Einheitsbrei.

Einst wollen wir Frieden finden und klare Weisheit, klare und wortlose innere Sprache und einst noch lautes, greises Gelache. Wenn wir alt und weise sind, soll meine Nussschale so groß sein, dass ich darin fliegen kann. Ei, dann sitze ich im Ledersessel, bin innerlich frei und tanze in meinen eigenen Federfesseln, dann wird Besitzen wie Teilen sein und langsam das Gleiche wie schnell – und dann, dann bin ich wirklich in Frieden. In mir, wie mit dem Ich um mich. Dann bin ich sowohl Ghost, als auch the shell.

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