Das Green Office stellt sich vor

Ein Interview von Anfang des Jahres 2020 – Die Klimabewegung ist in aller Munde, auch bei uns in der Uni.  Aber was wird an der Uni überhaupt gemacht? Welche Akteure*innen gibt es dort? Und ist das alles nur eine Modeerscheinung oder etabliert sich das langfristig? Diese Fragen und einige mehr werden heute hier beantwortet, denn dies ist ein Interview mit Miriam Köppel und Ronja Haas, zwei Mitglieder des Green Office, eine innovative Institution und damit besonderer Akteur der Bewegung an der Uni.

Schön, dass ihr beide da seid und Zeit gefunden habt!
Ich habe einige Fragen für euch dabei, bei den ersten paar geht es darum einen kleinen Überblick über euch zu verschaffen, danach würde ich gerne ein bisschen über die aktuelle Situation in der Gesellschaft, in der Uni und bei euch im Green Office sprechen und zum Schluss ein wenig über die Öffentlichkeitsarbeit bei euch.

 – Als erstes möchte ich gerne wissen, was das Green Office eigentlich ist.
Hallo, sehr gerne. Das Green Office ist aktuell eine studentische Initiative, die zur Vernetzung aller Gruppen dienen soll, die sich mit nachhaltigen Themen beschäftigen. Wir wollen langfristig als studentisches Büro an der Universität institutionalisiert sein und dabei als Schnittstelle zwischen der Studierendenschaft, den Mitarbeiter*innen und der Hochschulleitung, sowie weiteren Akteur*innen fungieren. Damit soll Nachhaltigkeit am Campus vorangetrieben werden. Aktuell arbeiten wir an der Etablierung dieser Institution, unser Ziel ist ein fest verankertes physisch existierendes Büro am Campus.

 – Okay, coole Sache und wie ist das ganze entstanden und warum?
Es gab 2018 im Mai eine Ideenschmiede mit verschiedenen Menschen,  Frau Schaumann (unsere Vizepräsidentin der Uni) und vielen Professor*innen unterschiedlicher Fachbereiche,  die das Thema Nachhaltigkeit vorwärtstreiben wollen. Darunter auch unsere engen Unterstützer; Gerhard Reese(FB8) und Björn Risch(Fb7) sowie Michael Zimmer-Müller(Fb5). Dort haben wir festgestellt, dass es sehr viele Menschen auf dem Campus gibt, die sich für Nachhaltigkeit engagieren, die aber nicht wirklich vernetzt sind. Denn es gibt schon super viele Nachhaltigkeitsbestrebungen an der Uni, die aber leider teilweise nicht transparent sind. Zum Beispiel bekommen viele Studis nicht mit, was auf  Mitarbeiterebene läuft, und genauso andersrum, teilweise ist das bei den Hochschulgruppen  und den Mitarbeitenden untereinander genauso.  Sodass Gruppierungen sich mit denselben Problemen beschäftigen und  immer wieder am selben Punkt scheitern, weil sie nicht wissen, dass da schon mal rangegangen wurde, wie zum Beispiel bei der veganen Mensa, oder bei Bestrebungen von verschiedenen Hochschulgruppen bezüglich Trinkwasserspender an der Mensa. Dadurch ist die Idee zum Green Office entstanden, dass es eigentlich ein Büro bräuchte, wo wir alle zusammen kommen und uns austauschen und gemeinsam Nachhaltigkeit vorantreiben können. Die Umweltgruppe  hat das Ganze dann  initiiert und so kam es zur Gründung.

 – Und was steckt eigentlich hinter dem Namen Green Office?
Green Office ist eine internationale Bewegung mit dem  Konzept Open Source. An der Hochschule in Maastricht wurde im Jahr 2010 das erste Green Office gegründet. Seitdem wurde das Konzept entwickelt und ausgebaut. Ausgezeichnet mit dem UNESCO Japan Preis Bildung für nachhaltige Entwicklung sprießen die Green Offices  inzwischen an vielen Standorten in Europa und sogar  in Afrika aus dem Boden. Durch Webinare wird die Idee weitergetragen und so kamen auch wir damit in Kontakt und wurden Teil der stetig wachsenden Green Office Bewegung.

– Das klingt ja sehr viel versprechend. Wie seid Ihr als Personen in dem Modell beziehungsweise in diese Institution zu verorten? Was ist da euer Status?
Wir haben beide dort bereits gearbeitet,  Miri hat aktuell eine Hiwi-Stelle, aber der Großteil arbeitet am Green Office freiwillig. Wir sind dabei das auszubauen. Es soll letztenendes ein festes Kernteam geben, die das Alltagsgeschäft erledigen und ein Pool mit freiwilligen Leuten, die projektbezogen mitarbeiten.  Außerdem braucht ein Green Office  eine festangestellte Person mit mindestens einer Halbtagsstelle, um die Arbeit der Institution sicher zu stellen. Die Finanzierung dieser Stellewird an anderen Hochschulen aus den internen Töpfen gezahlt.

-Dann seid ihr schon seit dem Beginn dabei, welches Fazit würdet ihr ziehen? Was habt ihr erreicht? Was ist passiert? Positives, Negatives?
Im Mai 2018 hat ja alles begonnen, nach der Gründung hat sich dann eine Gruppe regelmäßig getroffen,,in der gemeinsam ein Konzept ausgearbeitet beziehungsweise ein Meilensteinplan entworfen wurde. Dann haben wir Hiwi-Stellen finanziert bekommen und wir haben ein größeres Projekt gestartet, ein erstes Vernetzungstreffen mit den Hochschulgruppen, damit auch die Leute aufmerksam auf uns werden konnten. Dann kam die Nachhaltigkeitswoche letztes Jahr, die war noch etwas kleiner gehalten, aber ein guter Anfang um rein zu kommen und in Kooperation mit dem Nachhaltigkeitsbüro aus Kaiserslautern und den Green Offices aus Trier und Birkenfeld. Außerdem gab es auch ein Vernetzungstreffen mit den Green Offices aus  Rheinland-Pfalz und der Großregion Saarland. Wir haben an einem Wandercouching wochenends teilgenommen vom Wandelwerk, das für Hochschulgruppen angeboten wird, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen. Das hat uns strukturell viel gebracht, zu Beginn war alles noch etwas holprig. Im Herbst letztes Jahr gab es einen kleinen Umbruch, bei dem wir einige Aspekte unseres Konzeptes auf Machbarkeit überdacht haben und uns entschieden haben uns stärker auf den Vernetzungsgedanken und auf Arbeitsgruppen zu konzentrieren und diese zu initiieren. In diesen AGs köönen Leute aus Hochschulgruppen, aus der Studierendenschaft und der Mitarbeiterschaft  zu verschiedenen Themen zusammen kommen und das jeweilige bearbeiten. Zwei Projektgruppen laufen auch schon, zum Einen der AK für die Nachhaltigkeitswoche Ende Mai ( vom 25.05-28.02.2020) . Da sind wir gerade am Workshops, Vorträge und Exkursionen planen. Es wird eine spektakuläre Alternative Messe als Auftaktveranstaltung im Atrium geben, aber wir wollen noch nicht zu viel verraten. Der zweite Arbeitskreis ist der AK veganes Angebot in der Mensa. Den hat hauptsächlich Rasmus eingeleitet, ein Jusos Mitglied. In dem AK  sitzen wir mit drinnen, sind da aber nicht federführend sondern eher in der Vernetzungsrolle. Es gab auch Vernetzungstreffen mit anderen Hochschulgruppen und den Scientist4Future, in denen wir gemeinsam schon überlegt haben welche Themen wir noch behandeln könnten – es gibt auf jeden Fall viele Ideen und Projekte anzupacken.

-Wo wir gerade von Hochschulgruppen reden, welche vernetzt ihr denn so? Und wie arbeitet ihr mit Hochschulpolitischen Stellen wie beispielsweise dem AStA-Referat Umwelt und Mobilität zusammen?
Es geht los mit der Umweltgruppe, Viva con agua, den hochschulpolitischen Gruppen und da gäbe es noch einige mehr. Also grob lässt sich sagen alle, die sich mit Nachhaltigekit im ökologischen oder sozialen Kontext beschäftigen. Jede Hochschule kann sich miteinbringen, die das Gefühl hat, dass sie dazu passt. Gerade was auch soziale  Nachhaltigkeit angeht würden auch Gruppen wie Amnesty international gut passen. Es geht uns nicht nur um den rein ökologischen Aspekt sondern darum den Nachhaltigkeitsgedanken in all seinen Facetten weiter zu denken.Bisher gab es schon eine Vernetzung mit dem AStA-Referat, wie das weiter geht wird noch zeigen, aber wir bleiben da dran. Da es schon wichtig ist da eine Verknüpfung zur Vertretung der Studierendenschaft zu haben.

-Und wie sieht es konkret aus? Habt ihr Verbesserungsvorschläge für das nachhaltige Leben an der Uni? Es wird immer wieder darüber gesprochen eine bessere Mülltrennung einzuführen. Habt ihr auch solche Ziele und wenn ja, wie realistisch sind die Forderungen?
Ja, Mülltrennung ist immer ein Thema am Campus, aber es ist ja auch noch  nicht geklärt. Da ist auch ein Arbeitskreis möglich, wir sind da noch am ausloten. Wir müssen da auch immer gucken welche Projekte wirklich realistisch sind innerhalb eines Semesters, oder dass sie in nächster Zeit angegangen werden können. Es gibt da auch beispielsweise die Idee, dass Hausarbeiten nicht mehr ausgedruckt werden müssen. Ganz viele Dozierende wollen das auch gar nicht, aber es ist eben Vorschrift und da wäre eine baldige Änderung schon realistisch. Es ist auf jeden Fall viel Luft nach oben, denn Projektideen gibt es viele. Nur die Frage ist wie viele Kapazitäten wir haben, unser Team ist zurzeit realtiv klein. Am liebsten würden wir natürlich alles sofort umsetzen, aber gute Projektarbeit braucht viel gute Vor- und Nachbereitungszeit, sowie Reflektion.

-Verstehe, dann gibt es bestimmt noch Einiges für euch zu tun.  Wo wir auch schon beim nächsten Punkt wären, an eurem Board steht euer Ziel ist das Vorantreiben einer nachhaltigen Uni. Über Nachhaltigkeit haben wir nun auch schon viel geredet. Aber es klingt schon etwas abstrakt, was bedeutet das überhaupt Nachhaltigkeit? Nachhaltig Denken? Nachhaltig Handeln?  Und warum dieser Fokus?
Vielleicht könnte man statt nachhaltig zukunftsfähig sagen und im Sinne der Nachhaltigkeit auch Generationen übergreifend gedacht, das heißt nicht mehr Ressourcen verschwenden, als wir haben. Das betrifft diesen ganzen Wandelprozess, der gerade in der Gesellschaft passiert und wo besonders eine Uni sich auch nicht herausziehen kann und sollte. Insbesondere, weil ja hier auch viele Menschen ausgebildet werden die Lehramt studieren und die später auch wieder Kinder ausbilden und dazu dann einiges beitragen können. Da ist uns ganz wichtig, dass sich diese Menschen mit der Ressourcenfrage und der Nachhaltigkeitsfrage beschäftigt haben. Wie zum Beispiel „Was ist überhaupt Nachhaltigkeit“ und „Welche Dimensionen umfasst sie?“ Denn die ökonomische und soziale Nachhaltigkeit sind ebenso wichtig wie die ökologische. Und wie kann ich das in meinem Alltag einbauen? Das nicht nur geschaut wird, was ist für die Umwelt wichtig, sondern auch genauso schaut, was für die Gesellschaft und alle darin Beteiligten möglich ist.“)

-Apropos Wandelprozess,  dieses stärkere Bewusstsein für Umweltschutz und Klimawandel in der Gesellschaft greift ja teilweise um sich, man denke an Fridaysforfuture. Gibt es eine solche Entwicklung auch an der Uni? Und wenn ja, seit wann?
Prinzipiell geht unsere Uni da schon seit längerem in diese Richtung, besonders dadurch, dass sie auch die Umweltwissenschaftlichen Studiengänge hat, verschiedenste Forschungsprojekte und das BTN Zertifikat für Bildung und Transparenz für Lehrämtler*innen. Außerdem gab es mit dem Schritt der Initiierung des Mensch und Umwelt Studiengangs oder der Öffnung der Vorlesung beziehungsweise Vortragsreihe für das BTN für alle Interessierte viel Wandel. All das gab es natürlich auch schon vor der FFF Bewegung, allerdings ist durch FFF alles medialer geworden und dementsprechend auch öffentlichkeitswirksamer. Davon ist die Uni natürlich auch nicht unberührt geworden. Das merkt man auch daran, dass bei der Ortsgruppe von Fridaysforfuture Landau viele Studis dabei sind und sich letztes Jahr die Scientists4future an der Uni gegründet haben.

-Wen seht ihr als treibende Kraft, als Vorreiter für diese Entwicklung, diese Bewegung an der Uni?
Ich glaube wir möchten gerne versuchen diese treibende Kraft zu sein.  Diesen Spirit einzufangen im Großen wie im Kleinen. Es gibt ihn ja in den einzelnen Gruppen, aber eben noch nicht so gebündelt. Und diese ganzen Energien zu kanalisieren und ein realistisches Ergebnis zu bringen, da sehen wir uns in der Rolle, sozusagen das Große Ganze voranzubringen. Und letzten Endes ist jede*r, die/der sich daran beteiligt hat oder es jetzt gerade tut eine treibende Kraft!

-Nun von einer leichteren Thematik  zu einer schwierigeren, kritischeren Frage. Ich würde gerne wissen, inwiefern ihr das Interesse für Umweltthemen als eine Modeerscheinung empfindet? Es lässt sich ja auch behaupten, dass das Engagement gerade hip ist und in ein paar Jahren wieder abflacht. Was ist eure Prognose?
Also Einerseits macht es in unseren Kreisen nicht den Eindruck, dass es eine Modeerscheinung ist. Da braucht es ja schon eine gewisse intrinsische Motivation um mitzumachen, also da reicht eigentlich nicht nur ein Hype. Aber es ist auf jeden Fall gut, dass es gerade ein Thema ist, das im Mittelpunkt steht und Leute anfangen sich mit ihren Freunden zu engagieren! Andererseits kommt es einem schon so vor, dass es bei einem gewissen Anteil von Menschen  gerade im Trend ist und diese Interesse zeigen, gerade weil es In ist oder weil sie irgendwelchen Idolen nacheifern. Aber da liegt auch gerade das Potential. Denn wenn man denen aufzeigt, wie das alles längerfristig aussehen kann, dann kann wohlmöglich daraus eine Generation erwachen, die das wirklich lebt und die das in alle mögliche Ebenen trägt und somit immer mehr Menschen inspiriert.

-Interessante Perspektive! Und hoffnungsvoller Prozess! Und da wären wir schon bei der nächsten Frage Inwiefern habt ihr das Gefühl, dass ihr in einer Blase lebt? An der Uni gibt es Einige die noch nie etwas vom Green Office gehört haben. Wie viel Hoffnung habt ihr, dass sich dieser Zustand bald ändert und wie habt ihr vor da zu agieren? Was ist da euer Anspruch von der Öffentlichkeitsarbeit her?
Besonders wichtig wäre uns, dass sich Leute mit den Dimensionen der Nachhaltigkeit beschäftigen, dass alle davon schon mal gehört haben. Zum Beispiel, indem es in den Vorlesungen an den passenden Stellen erörtert wird, was bis jetzt auch schon viel einige Profs machen. Und  ja, leider kennen uns noch nicht so viele. Bis jetzt waren wir auch einfach noch nicht so öffentlichkeitswirksam. Vieles lief einfach noch im Hintergrund im Aufbau, aber jetzt durch die Nachhaltigkeitswoche versprechen wir uns schon mehr Sichtbarkeit.

Natürlich ist es aber auch wünschenswert, dass uns irgendwann alle Leute kennen oder diese Institution kennen und das auch für Landau dann ein Name ist. Auch dadurch, dass es in Deutschland noch nicht so viele Green Offices gibt, hätte die Uni auch eine gewisse Vorreiterrolle, sodass es auch der Uni zugutekommen würde und Symbolcharakter hätte. Und es wäre wünschenswert, weil die Leute auch wissen würden, dass sie zu uns kommen können, wenn sie Ideen oder Fragen haben  oder Ansprechpartner*innen beispielsweise für Bachelorarbeiten  suchen.

-Wenn genau dies der Fall ist, was sind eure Kontaktdaten? Wie kann ich mich informieren, einen Vorschlag für eine nachhaltigere Uni machen oder mich bei euch einbringen?
Derzeit haben wir noch kein Büro, ein Green Office ohne Office. Aber wir haben eine E-Mail Adresse, da kann man uns unter igo@uni-landau.de rund um die Uhr erreichen oder über Instagram (@greenofficelandau) und ab März auch wieder Online über unsere Website (http://www.uni-landau.de/igo).

-Dann Danke ich euch sehr über euren Input! Als letzte Frage würde ich gerne wissen, ob es noch etwas gibt was Ihr den LaUni-Lesenden mitgeben möchtet.
Ja schreibt uns an! Also alle die Leute, die den Artikel jetzt gelesen haben und es cool finden, Lust haben bei einem Arbeitskreis mitzumachen oder an dem Kernteam sich zu beteiligen, schreibt uns eine E-Mail oder kontaktiert uns über Instagram. Alle sind herzlichst willkommen!

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