Der Erzeugerbesuch

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Wir kennen es. Ihr werdet es kennenlernen. Die Eltern wollen vorbeikommen, um den nunmehr wie auch immer gearteten freien Flug ihres Sprösslings zu sehen und mit zu erleben. Neben dem inklusiven Jammern über den Zustand der WG oder Wohnung, besonderes Augenmerk wird hier auf rumliegende Staubmäuse gelegt, und dem kritisch-prüfenden Blick des Kühlschrankinhalts, darf und muss man den Tag sinnvoll planen. Netflix & Rumlungern funktioniert eben nur mit deinen neuen Freunden. Trotz der Distanz wollen deine Eltern das Gefühl haben, zu wissen wo und wie du wohnst. Sie wollen auch rein physisch ihren Anteil daran haben, dafür reicht schon das Wissen über den Zustand deiner Wohnung und deine Lieblingskneipe zu kennen.  Die versierten langjährigen Landauer aus der La-Uni haben dir daher ein paar Dinge für das Überleben beim Besuch deiner Existenzbegründer zusammengeschrieben.

Essen

Da die Eltern zumeist wohlhabender als ihre Bälger sind, zumindest am Anfang ihres selbstbestimmten Erwachsenwerdens mit Anfang Zwanzig, sollte man die Möglichkeit nicht verstreichen lassen, ein warmes Essen ohne Aufwand, d.h ohne das nötige Kleingeld für die Lieferpizza oder das minutiöse Aufwärmen von Wasser, um damit Nudeln zu kochen, abzustauben. Der Mittelklasse- Bereich der Restaurants scheint dafür am besten geeignet.

 

Suppe mag Brot – Suppenbar & Café

Die Hipster-Welle ist schlussendlich auch bis in die letzten Ecken der Republik geschwappt. Der süße Laden, mit dem zusammengewürfelten Mobiliar entspringt und einem urigen Hinterhof, welcher im Sommer durch sein verwegenes Spiel aus Sonne und Vegetation zum postmodernen Entspannen, „dem Chillen“ einlädt, macht seinem Namen alle Ehre. Es gibt die verschiedensten und wechselnde Gerichte um das Themengebiet Suppe. Die Suppen sind erstklassig. Das dazu gereichte Brot harmoniert mit der Suppe und ergibt ein rundes Gericht. Will man in seiner Peergroup bleiben, ist man hier genau richtig. Will man seinen Eltern zeigen, was ein moderner, gutlaufender Studentenschuppen ist, ist man hier auch richtig.

Sapori D`Italia

Wer um gutes hausgemachtes italienischen Essen in Landau nicht herum will, muss bei der Familie Sapori vorbeischauen. Für einen exzellenten Preis kann man sich hier durch die italienische Küche futtern. Der Laden ist klein, exzentrisch und einladend.  Er wirkt immer gedrängt und voll. Das familiäre Klima und leichte, immerwährende Geschäftigkeit machen den großen Charme dieses Establishments aus. Die integrierte Fleisch- und Käsetheke, wo von der Mortadella bis zum Peperoncino alles zu haben ist, lässt einen die italienischen Gefühle einpacken und auch zu Hause kochen.

Kanton

Dieser Laden ist zwar etwas klein und die Einrichtung würde keine großartigen Preise gewinnen, jedoch sieht es deutlich gemütlicher als so manch andere Gaststätte, die sich auf chinesisches und thailändisches Essen spezialisiert hat. Die zubereiteten Gerichte sind zumindest so gut, dass einige Studierende auf den fehlenden Lieferservice verzichten und ihr Essen wie wilde Tiere selbst abholen. Wenn also Studierende dort Essen bestellen, kann es auch nicht so teuer sein. Akzeptable Einrichtung und gutes Essen kann auch als Geheimtipp verkauft werden und die Eltern freuen sich mal, nicht in einer Touristengaststätte gelandet zu sein.

 

Aktivitäten oder auch die Zeit zwischen den Mahlzeiten

Bekannterweise zeichnen sich Kleinstädte durch ihren Mangel an Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten aus. So auch Landau. Was also tun zwischen der oftmals frühen Ankunft der Eltern und dem abendlichen oder frühmorgendlichen Aufbruch selbiger? Dieser Mangel setzt aber einen selber in die erhabene Position kreativ werden zu müssen und dürfen. Was also tun in der Öde?

 

Der Spaziergang

Die einfachste, günstigste und mit am wenigsten Aufwand verbundene Aktivität ist der Spaziergang. Vom kurzen Durchqueren der Innerstadt bis hin zu ausgedehnten Gängen zu den Weingärten ist alles möglich. Das Zeigen der Innenstadt, vermischt mit einer Brise Stadtgeschichte, lassen Eltern und Geschwister die neue Stadt ihres Familienmitgliedes näher erleben. Neben dem Weg zur Universität und dem Campusgelände selbst, ist der Weg durch das Fort auch immer wieder ein lohnender Zeitvertreib. Die ehemalige Naherholungsanlage Landaus.

Ein weiterer grüner Weg am Ende Landaus wäre das Gebiet der ehemaligen Landesgartenschau, kurz LGS. Hier kann mensch dann angefangen mit einem Schwenk über die schönen, alten Kasernengebäude schnell zu einer Verdammung der Gentrifizierung Landaus wechseln, welche übertriebene Mietpreise nur weiter steigen lassen und damit sein aufbrausendes, studentisches, geradezu revolutionäres Innerstes seinen Eltern zeigen.

Alternativ kann man sich auch Weinberge, entweder in südlicher oder nördlicher Richtung der Stadt, anschauen, soweit der Heimatort einem diese Meisterleistung an Monokultur vorenthalten hat. Hügel über Hügel zieht sich hier die perfekte und perfide Urbanmachung der Natur. Reihe um Reihe gliedern sie die Region in einzelne Parzellen.

Besuch eines Weinguts oder Weinfestes

Ist man in der Südpfalz kommt, man sicher nicht um das Thema Wein herum.  Also warum nicht die Gelegenheit beim Schopf packen und sich eins der umliegenden Weingüter anschauen? Sich den Prozess des Weinmachers von einem Winzer entzaubern zu lassen, um danach die knochenharten Früchte dieser Arbeit zu verkosten, macht jedem Familienmitglied, das nicht fahren muss, eine große Freude. Weinwissen ist nebenher immer ein stabiles und angesehenes Gesprächsthema, womit schon gute Grundlagen für einen gutbezahlten Job gelegt wurden. Alternativ sind spätestens ab Mai in der Umgebung von Landau immer wieder Weinfeste. Dort können die Eltern die Einheimischen in ihrer freien Umgebung beobachten. Eltern, welche eher ein zurückhaltendes Verhalten an den Tag legen, könnten einen ernstzunehmenden Kulturschock erleiden. Vorsicht sei geboten.

Wandern

Ja der nahe, schützende Pfälzer Wald ermöglicht es uns auch einen Tagesausflug dorthin zu unternehmen. Die Wanderwege direkt am Fuße des Hügelwalds, von Trifels bis Hambach, enden oft in schönen Ruinen oder ermöglichen einen weitlaufenden Blick über das Weinland Pfalz bis zum Rhein. Ideal, um eine gemeinsame Aktion seinen neuen Bekanntschaften aus der Uni zu starten oder dem Trubel der Stadt mal alleine zu entkommen.

Städtische Einrichtungen

Wie jede andere Großstadt von Welt auch hat Landau ein Schwimmbad, Freibad und einen Zoo. Wenn auch die meisten Eltern nicht so erpicht auf Schwimmen sind, immerhin sind dort viele schreiende Kinder, wäre dies eine Notlösung, da die Schwimmbekleidung meistens nicht eingepackt wurde. Bleibt also nur der Zoo. Dieser ist relativ klein und lässt sich somit ohne Zeitdruck erkunden. Von Vorteil ist auch, dass dieser sich direkt an der Uni befindet und beide Ziele sich sehr einfach kombinieren lassen. Die Zoogaststätte ist solide und vielleicht laden euch ja die Eltern zum Essen ein. Das werden sie bestimmt auch machen, da ihr den Tag so toll geplant habt.


 

 

 

 

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