Feminismus – wofür kämpfen wir? Eine Erklärung.

Schrankenlos und ohne Tabus; der folgende Beitrag ist ein ungehemmter Erfahrungs- und Wissensbericht, zusammengetragen und in Form gebracht durch die Interviewerin, bei der einiges an Bubble Wissen (Szenewissen) aufgeklärt wird und ihr bestimmt das eine oder andere mitnehmen werdet.


Liebe Kim, danke dass du dir heute die Zeit genommen hast um deine Erfahrungen und dein Wissen als langjährige Aktivistin in feministischen Bewegungen zu teilen!
Als erstes daher die Frage, was heißt eigentlich Feminismus, beziehungsweise was bedeutet das für dich?
Also ich glaube das ist immer auch eine ganz persönliche Sache und ich glaube es gibt da nicht nur den einen Feminismus. Für mich ist das der Kampf für eine gleichberechtigte Gesellschaft. Das bedeutet, dass es nicht nur Frauen*, sondern insgesamt für FINTA* Menschen einfacher wird und dass davon schlussendlich alle profitieren. (PS: Es ist voll okay, die ganzen Begriffe noch nicht zu kennen, es ist ein langer Prozess in der Gesellschaft. Wenn du kannst nutze gerne die Begriffe, aber politische Correctness jederzeit um jeden Preis ist in der Praxis kaum möglich. Es ist okay Dinge zu wissen und noch nicht direkt umzusetzen! und sich selbst Zeit zu lassen.)

(FINTA*: Frauen*, Inter Menschen, Nonbinäre Menschen, Trans* Menschen oder Agender Menschen, das Transsternchen beschreibt dabei eine Vielzahl geschlechtlicher Identitäten jenseits des zugeordneten Geschlechts)
(Das Sternchen hinter Frauen* genauso wie hinter Männer* soll verdeutlichen, dass biologisches und soziales Geschlecht nichts natürliches sind, sondern gesellschaftlich hergestellt werden als Konstrukte. Menschen werden also zu Frauen* oder Männern* gemacht)


Was würdest du sagen, gibt es noch an Missständen? Also was gilt es noch zu erreichen?
Super viel! Also in meiner Stadt sind gerade Körperrechte ein ganz großes Thema, besonders bezüglich Schwangerschaftsabbrüchen – nach der Devise: my body my choice. Da solidarisieren wir uns aktuell viel mit Polen, wo es ja auch gerade mega abgeht. Die haben dort LGBTQ- freie-Zonen eingerichtet und da sind jetzt Schwangerschaftsabbrüche noch mehr verboten. Durch die Grenzschließung durch Corona, ist es nun Frauen* beziehungsweise Menschen, die schwanger werden können noch erschwerter Schwangerschaftsabbrüche zu vollstrecken dadurch, dass sie auch nicht mehr ins Ausland kommen.
Und selbst hier in Deutschland müssen schwangere Menschen bis zu 200 km fahren, um Schwangerschaftsabbrüche zu vollziehen! Der Prozess dahin ist super lang und dadurch, dass es sich so in die Länge zieht, kannst du oft nicht mehr einfach abtreiben, sondern musst dann auch schon einen Eingriff machen lassen.
Hier in meiner Stadt beispielsweise sollen die beiden Krankenhäuser fusioniert werden. Dadurch wird es nur noch ein einziges christliches Krankenhaus geben, ohne die vorherige Abteilung mit Schwangerschaftsabbrüchen!

Was denkst du sind die Gründe, warum strukturell Schwangerschaftsabbrüche so erschwert werden? Was hat der Staat davon und woran liegt das im Allgemeinen?
Herrschaft und Macht über den Körper der Frau. Also ich glaube nicht, dass es sonst irgendwelche anderen Funktion haben. Ich meine das ist ja bei Knästen genauso, welche Funktion bringen Gefängnisse, bis auf Machtausübung und Herrschaftsausübung hat es insgesamt null Mehrwert für alle.
Und das einzige was bei der Unterdrückung von schwangeren Menschen gestärkt wird, ist die Herrschaft der Männer*, also das Patriachat. Das erinnert mich an ein richtig gutes Banner, das wir letztens gemalt haben, das es so gut auf den Punkt bringt: „Wenn Cis Männer schwanger werden könnten, dann wären Schwangerschaftsabbrüche schon längst legalisiert worden“
(Cis Männer: Männer*, die sich dem Geschlecht zugehörig fühlen, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde als Abgrenzung zu Männern*, die Trans sind und sich nicht mit dem ihnen zugewiesenen Geschlecht identifizieren).
Ähnliches haben wir auch bei der Pille erlebt. Die Pille des Mannes* gab es etwa in den Siebzigern und wurde dann aufgrund von zu vielen Hormon,- und Körperveränderungen verboten. Als allerdings die Pille für Frauen* aufkam gab es keinen Aufschrei und die wirkt sich ebenfalls stark auf den Körper aus und verändert uns im Sein und auch psychisch in unserer Stimmung.
Das zeigt auch wieder, wer die Macht hat und Definitionshoheit hat und welche Körper mehr Wert haben als andere Körper.

Was würdest du sagen, welche Möglichkeiten gibt es dagegen aktiv zu werden, also wie lässt sich das endlich stürzen?
Kämpfen, tagtäglich kämpfen. Ich glaube da ist alles dabei; von FINTA*Gruppen suchen bis sich zu Banden organisieren, Aktionen planen, Demonstration veranstalten, darauf aufmerksam machen, sich selbst zu supporten und zu empowern bis hin zu Alltags-Revolution. Bei der ich selbst, wenn ich in einer traditionell klassischen Beziehungsstruktur bin, versuche meinen Alltag zu durchbrechen, Repro-ArbeitCarework besser aufzuteilen und immer wieder gegen die scheinbare Norm zu agieren.
(Reproduktive Arbeit bzw. Reproarbeit meint Hausrarbeit und Familienarbeit zusammen (also Sorgearbeit, emotionale Arbeit, Beziehungsarbeit, Betreuungsarbeit und Pflegearbeit von Familienmitgliedern). Kennzeichnend für diese Arbeiten ist, dass sie vor allem von weiblich sozialisierten/gelesenen Menschen geleistet wird, unbezahlt und unsichtbar ist, also von den meisten Menschen nicht als Arbeit wahrgenommen wird)

Eine besondere Frage ist hierbei wie es da um den Sexismus steht, da ja alle Geschlechter davon betroffen sind.  Aber inwiefern leiden diese darunter?
Die einen profitieren ja politisch größtenteils davon, Männer* haben es schließlich karrieremäßig viel einfacher, aber lernen vielleicht nicht den Umgang mit den eigenen Gefühlen und müssen ebenfalls mit der Macht von Geschlechterrollen umgehen.
Also ich glaube nicht, dass alle Menschen darunter (gleich) leiden, weil Cis Männer auch von ihren Geschlechterrollen profitieren können im Gegensatz zu FINTA*s. Sie haben einen anerkannteren Status und können ganz viel auf das Rollenbild des Mannes*, der Männlichkeit schieben und sagen, „Das sind halt meine Triebe“. Nach dem Prinzip: „Ich darf so mit einer Frau* umgehen, ich kann sie einfach angrabschen, wann es mir gefällt und anderen Frauen* hinterher rufen, weil das ist mein Sein und das ist auch mein Recht.“
Dementsprechend sind meiner Meinung nach primär FINTA* Personen vom Leid betroffen.

Und wie lässt sich in der Gesellschaft die Erkenntnis reintragen, dass es das Patriarchat gibt, und dass es Sexismus gibt? Denn diese Unterdrückung ist ja oft für viele Menschen auch nicht sichtbar.
Ja total. Es war für mich selbst auch lange nicht sichtbar und deswegen funktioniert sie auch so gut. Wir haben Sexismus, Rassismus etc. schon so in unserem Denken drin, dass wir es halt selbst bei unserem Handeln nicht sehen. Teilweise behandeln wir uns dadurch selbst sexistisch, sodass wir bei erlebter Unterdrückung an unserer eigenen Wahrnehmung zweifeln.
Als ich irgendwann mal angefangen habe, mich mit Sexismus auseinanderzusetzen, ist mir auf einmal mega viel aufgefallen. Ich habe auf einmal verstanden, wo meine Wut herkam und das halt nicht fucking ich die bin, die irgendwas falsch gemacht hat, sondern dass es einfach ein strukturelles Problem ist.
Dass ich das dann einfach benennen konnte, hat mir mega viel Kraft gegeben. Damit das auch bei anderen passiert, glaube ich braucht es Zugänge für die Menschen. Ich denke einerseits hilft da ein Netzwerk von Freund:innen etc. und auf der anderen Hand …. (vielleicht Bildung).
Obwohl da auch die Frage ist welche Bildung. Ich habe auch schon, bevor ich mich damit beschäftigt habe, 5 Jahre studiert und dann ist mir auf einmal erst der Sexismus aufgefallen. Also davor konnte ich schon Dinge benennen, aber auch nicht so wirklich konkret, sodass ich da auch mehr oder weniger aus Versehen in den Feminismus rein gerutscht bin.
Damals hat mich was empört und dabei konnte ich meine Wut irgendwie in eine produktive Wut umwandeln und auf einmal auf einer ganz anderen Ebene kämpfen und mich artikulieren und musste mich so auch natürlich mehr mit Sexismus beschäftigen. Also vielleicht ist es so ein Mix aus Möglichkeiten und produktive Wut, die zur Erkenntnis von Sexismus führt.

Apropos verinnerlichter (=internalisierter) Sexismus, wie ist mit Frauen* bzw. weiblich sozialisierten/ weiblich gelesenen Menschen umzugehen, die dann teilweise die Unterdrückung, die sie selbst erleben weitergeben an ihre Kinder. Und die dann erklären, dass es bereits Gleichberechtigung gibt und sie keinen Sexismus spüren. Wo holt man die Menschen mit dem Thema ab?
Da holst du sie einfach ab, wo Sie gerade sind. Und dann braucht es Zeit. Veränderung passiert nicht von heute auf morgen, also nicht in den Köpfen auf jeden Fall. Und du kannst nicht deine gesamte Energie auf alle Menschen widmen, aber auf ein paar. Beispielsweise, wenn du ein paar ausgewählten Menschen Aufmerksamkeit gibst und versuchst, die nach vorne zu pushen und immer wieder bei ihnen auf zu stoßen. Ich glaube viel passiert auch einfach durch Verwirrungen, also zum Beispiel durchs Verwenden von gendergerechte Sprache (bspw. Freund:innen). Das fällt auch mega auf und verwirrt Menschen und durch diese Verwirrung, glaube ich auch, dass gewisse Freiräume im Kopf geschaffen werden können. Diese regen zum Denken an und gerade, wenn du dann noch offen bist für Fragen, ja genau diese Offenheit, die muss irgendwo gegeben sein! Also wenn du dich komplett an verschlossenen Menschen ab arbeitest, dann ist es glaube ich auch zu viel Energie .
Da musst du auch immer aufpassen, also es kommt auch bei mir auf die Phase drauf an. So am Anfang war ich auch noch so, dass ich auch alles verstehen konnte. Ich habe allen alles erklärt, zwar Mitbewohnis lieber als irgendwelchen random Leuten aber meistens Leute, die ich auf jeden Fall mag.
Und manchmal bin ich halt schon in der Phase wo ich mir denke: Boah, ich habe halt keinen Bock mehr immer das gleiche Thema durch zu leihern. Obwohl ich auch verstehen kann, dass sie halt noch nicht an dem Punkt sind. Aber es ist halt dann doch wieder unsere Care-Arbeit, unsere Energie, wieder darauf aufmerksam zu machen, weil sich die Menschen damit noch nicht beschäftigt haben. Es sollte nicht unsere Aufgabe sein, aber wenn wir Wandel wollen dann irgendwo auch schon, es ist ein super schwieriger Zwiespalt. Zu sagen „Jo beschäftigt Euch doch mal selber mit dem Thema“ , aber irgendwie schaffen das ja voll viele Menschen nicht. Da ein gewisses gesundes Zwischenmaß zu finden ist, denke ich, sehr wichtig.
(Care-Arbeit steht für Tätigkeiten der Fürsorge, des Sich-Kümmerns und Pflege, es schließt Repro-Arbeit mit ein. Es Umfasst Awarenessarbeit, Unterstützung der Familie und Freund:innen und beispielsweise das Arbeiten in Pflegeberufen)

Wie steht es da eigentlich um die Rolle von Männern*.
Also in der Black Lives Matter (BLM) Bewegung wurde der treffende Begriff Ally genutzt, der weiße Menschen beschreibt, die reflektiert und empfindsam nach den Bedürfnissen der betroffenen Menschen agieren. Bei der Feminismus Bewegung ist manchmal noch etwas offen, wie Männer* gute Allys sind. Und inwiefern dürfen sie sich überhaupt der Feminismus Bewegung anschließen und sich feministisch nennen?
Es gibt auf jeden Fall Männer*, die sich viel mit Feminismus auseinandersetzen. Ich selbst habeallerdings jetzt noch nicht den einen Dude gefunden, der jetzt mega der krasse Feminist war oder so.
Obwohl sich manche auch als feministisch bezeichnen, was ich ein bisschen gut finde, wenn sie sich damit wirklich auseinandersetzen und sich damit beschäftigen. Trotz alledem werden sie ja auch niemals Sexismus (wie wir) erfahren und niemals irgendwie mit dem Körper (bzw. mit der Sozialisierung) und mit den Struggle aufwachsen, mit denen wir aufgewachsen sind. Sie können darüber lesen und sich Erfahrungsberichte anhören und so weiter, aber sie können niemals im gleichen Modus sein wie wir.
Doch ich glaube, wenn man sich anstrengt, kann man sich auch als cis Mann* als Feminist definieren.

Eine mögliche Hürde sind da aber sicherlich auch Männer*, die sich die Bewegung zu Nutze machen um sich zu profilieren durch Trittbrettfahren, oder wie denkst du dazu?
Auf jeden Fall gibt’s das und das ist auch mega gefährlich. Denn gerade die Dudes, da musst du richtig aufpassen, die sagen so: „Boah, ich bin richtig feministisch und ich habe mich mit kritischer Männlichkeit auseinandergesetzt und I see your struggle and I get that“. Das sind meistens die, die dann auch gar nicht mehr offen sind und nicht verstehen, dass es halt eben ein ewiger Prozesses ist, der niemals abgeschlossen ist und dann denken, dass sie die Oberchecker sind.
Und dann war ja noch die Frage nach Support und da denke ich auf jeden Fall, an Situationen, wenn zum Beispiel wir Frauen* als Frauen*bande eine Aktion rocken, bleibt zuhause und macht halt die Care Arbeit. Beispielsweise wenn ihr wollt das mega viele Frauen* oder FINTA* Menschen auf die Straßen gehen, dann bietet Kinderbetreuung an, damit wir da hingehen, oder macht die KÜFA, damit das Essen vor Ort schon organisiert ist (Abkürzung für Küche für alle, welche oft an Protestorten angeboten wird).
Und holt euch dafür keine Probs ab, macht es selbstverständlich und kocht nicht nur wenn es um große Mengen an Menschen geht und gezeigt werden kann „Jo you see ich kann auch kochen, als Mann*“. Denn die wenigsten sind dann später in der Küche und machen den Abwasch, weil sie dafür nämlich keine Probs bekommen.
(Kritische Männlichkeit beschreibt eine Haltung von Männern*, die „Männlichkeit“ bzw. seine Stereotype kritisch reflektieren und die darin wurzelnde eigene männliche Identität kritisch thematisieren.

Ein Punkt ist mir da noch eingefallen. Wir alle haben ja diesen Sexismus in uns. Das ist, wie du auch gerade beschrieben hast diese Sache, wenn Menschen sich so krass als aufgeklärt empfinden und ihren eigenen Sexismus nicht mehr wahrnehmen können – wie zum Beispiel bei angeblich aufgeklärten Männern*- aber eben auch bei uns.
Ja voll, auch ich habe sexistische Züge in meinem Kopf und es ist super hart dagegen anzukämpfen. Mir fällt an mir selbst auch voll viel auf und was ich wieder rausarbeiten und anschauen muss. Das ist ein Prozess, der niemals ganz aufgearbeitet sein wird, weil ich in dieser Gesellschaft aufgewachsen bin. Also, wir werden niemals komplett frei davon sein.

Es ist aber aufjedenfall schon mal ein riesen Fortschritt, dass wir jetzt 2021 so darüber reden können!
Und wenn wir ein wenig auf diese positiven Aspekte gucken, wäre interessant zu wissen, was die Fortschritte sind, die in den letzten Jahrzehnten oder Jahrhunderten in der Gesellschaft erreicht worden sind, woran merkst du, dass sie auf dem richtigen Weg ist
?
Ich find’s richtig gut, dass wir immer mehr über Intersektionalität sprechen. Das heißt, dass wir auch nicht nur versuchen, also wir weißen FINTA*s, weißen Feminismus zu betreiben, sondern auch Schwarzen Feminismus mitdenken. Ich bin gerade dabei mich in die Thematik mehr reinzulesen. Was zum Beispiel auch super krass war, ist, dass die Frauen* in den USA, die für ihr Wahlrecht gekämpft haben, nur für die Rechte weißer Frauen* kämpften und Schwarze Frauen* gar nicht mit gemeint waren. Was ein super krasses Problem war und immer noch aktuell ist.
Schwarze Frauen* sind von so vielen Diskriminierungen betroffen, das ist hammer krass, was wir uns halt auch niemals vorstellen können, ne? Also das sind auch noch mal ganz andere Ebenen. Ja und ich glaube dieses miteinander reden und miteinander sein und irgendwie zusammen kämpfen und das endlich auch mitzudenken, ist glaube ich ein riesen Fortschritt.

Beim in die Zukunft gucken, was würdest du sagen, was sind noch so die Stolpersteine? Also was würdest du konkret sagen, was fehlt einfach gerade noch? Was ist noch kritisch, wo hängt das Ideal der Wirklichkeit noch hinterher?
Ja, digger bezahl uns halt richtig. Gleiche Arbeit, gleicher Lohn. Also sorry, dass liegt auf der Hand. Und dann immer dieses Argument bei Bewerbungsgesprächen. Ich habe gerade mit meiner Freundin telefoniert, die war beim Arbeitsamt und die waren so mhm ja, vielleicht solltest du nicht erzählen, dass du in einer Beziehung bist, weil du aktuell im besten Alter bist Kinder zu bekommen und dann ist halt deine Chance ein Job zu bekommen wesentlich geringer.  
Auf der anderen Seite gibt es dann auch krasse Frauen* Feministinnen, die sich wirklich nur aufgrund von ökonomischen Gründen dazu entscheiden mussten beim Kinderkriegen zu Hause zu bleiben, obwohl sie gerne arbeiten wollen würden. Und das passiert einfach auf Grundlage dessen, dass der Mann* obwohl er schlechter qualifiziert ist oder eine schlechtere Bildung oder sonst irgendwas hintersich hat, immer noch mehr Kohle verdient und das so okay ist?! Also diese Strukturen zwingen uns auch immer wieder irgendwie zurückzufallen! (Das ist die traurige Konsequenz vom Kapitalismus, also grenzenlosen Wirtschaftswachstum und dem Patriarchat, aka. Männer*dominanz/herrschaft!)

Dann noch zwei Fragen: Einmal bezüglich Trigger. Es gibt Menschen, die betroffen sind und nichtbetroffene Menschen und da ist es finde ich immer schwierig Verständnis für beide Seiten aufzubringen, wie geht das? Und dann die Frage, wie sollten sich nichtbetroffene Menschen verhalten? Wenn du vor einer Frau* oder FINTA* Person stehst, die Unterdrückung erlebt, welche Fettnäpfchen sollten vermieden werden?
Einfach mal die Fresse halten, wenn es nicht um dich geht. Und nicht so tun, als würdest du es verstehen und nachvollziehen und mitreden können. Wenn es um unser Thema geht, dann geht es um unser Thema. Versuche nicht immer das letzte Wort zu haben oder zu allem eine Meinung zu haben, sondern hör einfach mal nur zu. Das ist so ein Ding, was mich richtig oft aufregt. Versuch halt irgendwie nicht so dominant zu sein. Versuch irgendwie nicht den kompletten Stereotypen eine Cis Manns abzubilden, (der ständig die Bühne einnimmt). Vor allem das Beste, wenn noch 5 Frauen* gegen dich sprechen und dann immer noch gegen gewettert wird und du immer noch denkst, du verstehst es immer noch besser und es eben immer noch nicht dein Thema ist. Es ist so … boah echt, halt die Fresse.
(Und einfach auch mit welchem Selbstbewusstsein das dann alles noch passiert, so unreflektiert und unkritisch, sich so sicher in seiner Perspektive!)

Dann zum Abschluss die letzte Frage, was würdest du für FINTA* Personen mit geben als Tipp? Oder was hättest du früher gern für ein Ratschlag bekommen?
Also ich hatte eine sehr hartnäckige Freundin, die mich zum Feminismus gebracht hatte. Ich habe mich sehr gesträubt gegen das Wort, das hat sehr lange gebraucht. Ich habe mich auch gegen gendergerechte Sprache sehr lange gesträubt. Daher der Tipp, seid vielleicht einfach mal mit euren Liebsten hartnäckig, organisiert euch, bildet Banden, empowered euch, tauscht euch aus mit euren Erfahrungen. Weil meistens seid ihr nicht alleine und es ist keine Scham über Themen zu reden und du wunderst dich wie viel es anderen FINTA*s auch so geht wie dir selbst und dass wir eben nicht alleine sind.

Vielen Dank für deine Perspektive!

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