Must Art´s I

Galerie Z Pop- Art Landau

Bildrechte Philipp Hofmann

Die Ausstellung ist im Frank-Loebschen Haus von dienstags bis freitags von 10 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr zu besuchen . Samstags kann die Galerie von 10 bis 14 Uhr besucht werden.  Das Ende ist am 25. Februar 2018.

Kaufhausgasse 9 ein Ort, welcher tagtäglich vor meinen Augen lag, an dem ich vorüberging und der mir doch verborgen blieb.  Der verstellte Ort liegt im Gassengewirr hinter dem Marktplatz und damit gegenüber der Roten Kaserne. Es ist das Frank-Loebschen- Haus. Dieser wunderschöne alte Vierflügelbau mit hölzernen Laubengängen und einem urigen Innenhof ist alleine wert, zumindest einmal im Laufe seines Aufenthalts in Landau, gesehen zu werden. Das Ziel unserer Reise befindet sich nun innerhalb jenes Gebäudes. Es ist die Galerie Z mit ihrer aktuellen Ausstellung Pop-Art. Simpel und ohne weitere Umschreibungen wird hier die klare Thematik der Ausstellung zementiert. Es geht um Pop-Art mit einiger seiner wichtigsten Vertreter. Betritt man die Galerie befindet man sich zunächst in einer Art Verkaufsraum der Galerie. Ein Schreibtisch, der sich wagemutig schräg in den Raum drängt, mit dazugehörigem Personal, welches einen direkt freundlich begrüßt und in einigen Worten die bevor liegende Ausstellung erklärt, nebst verschiedenen mit allen Farben bestattenden Rahmen sind zu entdecken. An den Wänden versammeln sich schüchtern erste Pop-Art ähnliche Gemälde und Skulpturen. In diesem Bereich ist zunächst irritierende weiße Post-Pop-Art. Ein sperriges Wort, was Künstler, welche sich dem Style dieser Kunstepoche im Nachgang verschrieben haben, bezeichnen soll. Sie nehmen zeitlich umgekehrt den Anfangsplatz in der Ausstellung ein. In der Aufstellung jenes hellen Büros ist kein umfassendes Motiv zu erkennen. Das Farbspektrum und die Bildmotive weichen stark auseinander. Es wirkt nach einer einfachen aufeinanderfolgenden Reihung von Künstlern, welche sich im mehr oder weniger gleichen Kunstspektrum bewegen. Es ist nach Künstlerreihenfolge sortiert. Zusammengehörige Bilder von Trine Boesen und Mimo Retello sind durch verschränkte Bilderfolge untereinander, um der Architektur des Raumes zu schmeicheln, das Highlight dieses Raumes.

Der Weg zum nächsten Raum, dem Säulenraum, lässt die Innenarchitektur, welche im zweiten Stock zu sehen ist, erahnen. In diesem hohen Raum mit einer verspielten Buntsandsteinsäule in der Mitte sind Werke der Künstler Keith Haring und Tom Wesselmann zu sehen. Keith Haring, ein später Vertreter der Pop-Art, welcher sich durch seine Flächigkeit, klare Striche, Farben und seine hektischen, informationsgeladenen und zugleich simplen Figuren auszeichnet, teilt sich hier mit einem der großen Vertreter der Anfänge der Pop-Art Wesselmann, welcher für sexuelle Provokation durch Weiblichkeit oder Geschlechtlichkeit bekannt ist. Durch Sie wird der Raum in zwei Hälften geschnitten. Zweigeteilt. Es wirkt aufgesetzt. So als hätte der Raum um des Raumes Willen genutzt werden müssen, anstatt für die Kunstwerke. Zwei Künstler der Pop-Art-Epoche und doch stehen Sie sich äußerst fern in der Ausdrucksprägung ihrer Werke. Erregt durch diese Zwiespaltigkeit und einer Mischung aus Trauer, aus der misslungenen Darstellung in diesem Raum und Vorfreude auf den nächsten Raum geht es weiter.

Weiter geht es durch einer außenliegenden, verglasten Wendeltreppe in das zweite Stock-Werk. Erinnerungen an ein altes, verwickeltes Bauernhaus steigen hoch. Mit seiner niedrigen Raumhöhe und den wuchtigen, strukturgebenden Balken erinnern nach dem Stahl und Glas Behemoth wieder daran, dass man sich in einem sehr alten Haus befindet. Dass einem die Decke auf den Kopf fällt, verhindert nur die breitflächige, umgreifende Lichtdurchflutung der Räume. Die dunkelbraunen Balken im Kontrast zum hell weißen Putz lassen diese Räume in die Weite zerfließen. Nun befinden wir uns im Herzstück der Ausstellung. In den nächsten drei Räumen gibt es Robert Indiana, Mel Ramos, Andy Warhol und Roy Lichtenstein, die wohl bekanntesten Vertreter dieser Kunstrichtung zu sehen. Empfangen wird man mit der Alltagsgegenständlichkeit und Simplizität der Zahlen und Wörter von Robert Indiana. Die unterschiedlichen Farbpaletten, lass einem den Inhalt der Bilder, den Text oder die Zahl neu und intensiv erscheinen. Sie werden einem entgegengebrüllt.  Gehen wir weiter zu Mel Ramos, sehen wir die Verquickung von Werbeartikel mit Darstellung vulgärer Posen weiblicher Darstellerinnen. Der weibliche Körper umschmiegt förmlich weit verbreitete und jedem Amerikaner bekannte Produkte. Sie bildet den Präsentationsrahmen. Ramos versucht damit parodierend die damals aufkommende Werbestrategie, ein Produkt mit sexuellem Reizen aufzuladen, zu ihrem wahren Kern werden zu lassen. Auffällig in dieser Reihe ist das Bild S.O.S, welches ebenfalls diese beiden Motive beinhaltet, diese aber durch eine abwehrende Haltung und einen abweisenden Blick der Protagonisten, eine kritische Komponente hinzufügt. Die Frau wirkt äußerst ausdrucksstark. Die beiden nachfolgenden Räumen sind der Pop-Art Koryphäe Künstler Andy Warhol unterstellt. Neben vier Zeichnungen Warhols, welche einmal auf zwei Bildern mit wenigen Strichen ausdrucksstarke menschliche Gesichter zeigt und auf den anderen beiden zwei akrobatische und absurde Situationen widerspiegelt, sind viele Serigrafien, wie sie so typisch Warhol sind, zu sehen. Das Vervielfältigen von ein und demselbenMotiv nur mit minimalen Änderungen durch Formen oder Farbe stellt sich in den Vordergrund. Eine Hommage der Kunst an die Werbeindustrie. Das massentaugliche Erstellen und der immerwährender Verkaufen der gleichen Kunstwerke. Auch hier scheint die Forderung der Pop-Art zur Alltäglichkeit der Kunst und deren Bezug zur Werbung durch. Das Bild Dracula Warhols kommt mit einer verdunkelten Farbpalette und ein seinen wohl dosierten und  präzisen rosaroten Striche daher. Die markanten, geradezu aggressiven Gesichtszüge, welche mit den pinken Strichen in Draculas Gesicht gezogen werden, lassen diese ansonsten helle und freundliche Farbe in einem völlig neuen Licht erscheinen. Pink bekommt hier eine neue Dimension. Die stetige Abwandlung von Porträts ist besonders bei den drei nebeneinander hängenden Bilder der Queen Ntombi zu sehen. Hier wird das selbe Porträt immer wieder durch andersartige Farbkombination einzelner Bildelemente und der Tausch flächendeckender einfacher geometrischer Formen auf dem Bild verändert. Aus der Reihe Sunday B. Morning sind die bekannten Werke mit den Gesichtern Maos und Monroe zu sehen (Es handelt sich hierbei um eine unsignierte Auflage). Die Ausstellung, wobei sich das Ende dieser hierbei auf die Durchnummerierung der Werke, als die räumliche Darstellung bezieht, wird durch mehrere comicartige Dog-Fight Szenen-Werke eines Lichtenstein im Kontrast zu einem seiner Stillleben, beendet.

Die Ausstellung ist  zusammennehmend eine kleine, jedoch umschließende Einführung in die bunte, alltagsorientierte Pop-Art mit einem Fokus auf Gemälde. Sie gibt Impulse was Pop-Art war, ohne direkt auf einzelne technische oder geschichtliche Daten einzugehen. Nur Kunst, nicht mehr.  Die Ausstellung ist umsonst, was an der Motivation dieser liegt, nämlich die Werke zu verkaufen. Also falls der Geldbeutel es erlaubt, sind alle Ausstellungstücke zu erwerben.

 


 

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