Klimagerechtigkeit – was soll das sein?

Aufgrund von fehlendem kritischem Bewusstsein über verwendete Darstellungen über den Globalen Süden wird dieser Beitrag noch nachbearbeitet. Der Artikel rückt bestimmte eingenommene Positionen in sehr gutes und reflektiertes Licht, ohne dass sie wirklich in vollem Umfang Rassismus und weiße Vorherrschaft, sowie eigene Interpretationsmacht und Klassismus reflektieren. Außerdem suggeriert der Text Diversität und reflektierte Strukturen sowie Inklusivität im Arbeiter:innenkampf, welche so nicht vorhanden sind. Hier gibt es unteranderem mehr Infos dazu: https://twitter.com/nowhitesaviors/status/1416088222820716552?s=19

Daher bitte den Artikel kritisch lesen!

Das Thema dieses Artikels ist leicht auf den Punkt zu bringen. Es ist DIE zentrale Forderung, der Klimabewegung, die seit zwei Jahren jeden Freitag zu hören ist. Und die auch heute kurz vor der Bundestagswahl Ende September nicht unerläutert bleiben darf. Es geht um Klimagerechtigkeit und diese umfasst weit mehr als Umweltschutz und winzige Klimapaketchen.

Es geht um wirksame Klimaschutzmaßnahmen! Um erneuerbare Energien, um eine Mobilitätswende, um Gebäudesanierungen, Walderhalt, nachhaltige Landwirtschaft. Dabei ist die 1,5 Grad Grenze eines der maßgeblichen Ziele, da eine Überschreitung ein irriversibler Kippunkt in der Klimakrise darstellt. Mit dem aktuellen kapitalistischen Wirtschaftssystem, das unendlichen Wachstum propagiert, Rohstoffe ausbeutet und Menschen, Tiere und Natur als Ware behandelt, kann Klimagerechtigkeit nicht erreicht werden! Es braucht Veränderung!

Denn die Klimakrise nicht noch gefährlicher werden zu lassen, ist die Herausforderung dieser Zeit und die Herausforderung unserer Regierung! Von CDU und SPD. Die bisher wie fast alle anderen Parteien scheinbar den Ernst der Lage nicht verstanden hat oder nicht verstehen will.

Die fatalen Auswirkungen sind mit den Geschehnissen in Nordrhein Westphalen nun auch hier bei uns zu sehen. Letztes Jahr war das zweitheißeste Jahr seit der Wetteraufzeichnung in Deutschland und dieses Jahr gab es größte Überschwemmungen wie lange nicht mehr. Mindestens 135 Menschen sind gestorben. In Gedanken bei den betroffenen Familien. Es ist eine Tragödie. Und dies geschieht nicht nur hier. Viele Länder sind seit Jahrzehnten von Naturkatastrophen betroffen.
Und die Zukunftsprognosen sind nicht besser.

Und damit sind wir auch schon bei der Gerechtigkeit, auf welche ich in diesem Artikel detaillierter eingehen möchte.
Als Teil der Klimagerechtigkeitsbewegung sollte es das Ziel sein Kämpfe zu vereinen! Das heißt für eine soziale, ökologische und gerechte Welt zu kämpfen! Denn Klimagerechtigkeit muss intersektional sein! Doch in der Praxis hinkt die Umsetzung schwer! Die deutsche Klimagerechtigkeitsbewegung die unter anderem 2018 mit mehrheitlich, akademisierten jungen Menschen, damit begonn ihre Zukunft vor der Klimazerstörung zu bewahren, ist mehrheitlich aus der Oberschicht. Ich selbst bin Teil dieser Bewegung und bei FFF aktiv. Die Ideale sind je nach Ortsgruppe mehr oder weniger hoch gesteckt, konkret und ganzheitlich gedacht. Für mich fühlt es sich so an, dass im letzten Jahr viele Reflexionsprozesse angestoßen wurden, sei es beim Thema Klassenkampf oder Blacklivesmatter. Doch auch neues Wissen schützt vor Unachtsamkeit nicht. Dieser Text wurde mehrfach korrigiert und umgeändert und ist wie oben beschrieben immer noch in Bearbeitung, weil unter anderem unbewusste rassistische Darstellungen wiederverwendet wurden.

Das spiegelt gut Teile der aktuellen Situation in der Aktivistischen Szene wieder. Denn gerade weil es ums Ganze geht, sollte Klimagerechtigkeit noch viel konkreter ausgeführt und prägnant genannt werden. Es geht um Globale Gerechtigkeit, um Intergenerationale Gerechtigkeit und um Soziale Gerechtigkeit! Und das nicht erst morgen!! Diese Gerechtigkeitskämpfe sollten endlich auch im Vordergrund stehen und im deutschen Diskurs nicht nur in einem Nebensatz erwähnt werden. Denn Bedingung für die Eindämmung der Klimakrise ist ihre sozial gerechte Umsetzung, oder sie wird nicht wirken!

Und wie es mal treffend formuliert wurde: Die Klimakrise ist kein Problem der Zukunft und auch die Kämpfe dagegen sind alt. Der Titel „Fridays for Future“ ist daher unpraktisch gewählt und blendet die historischen Geschehnisse eher aus. Vielmehr müsste es heißen Fridays for Past, Presence and Future, wie es Rebecca Abena Kennedy-Asante auf den Punkt brachte, Aktivistin des Black Earth Kollektiv, das deutschlandweit Perspektiven von Schwarzen und Personen of Colour in der Klimabewegung vertritt.

Diese Ganzheitliche Sicht ist entscheidend, die auch globale Muster erkennt.
Der Protest für Klimagerechtigkeit ist somit auch eine Kampfansage an strukturellen Rassismus und die Probleme, mit denen Schwarze Menschen, People of Color und Indigene Menschen (BIPoC) täglich konfroniert werden, nicht nur in Deutschland sondern weltweit.⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀

Der Wasserspiegel im globalen Süden steigt, Inseln und Land werden überflutet. Dürren und Wetterextreme führen zu Wasserknappheit. Land wird unbewohnbar. Menschen verlieren ihr Zuhause und ihre Arbeit. Schon jetzt gibt es Konflikte zwischen Staaten übers Wasser. Schon jetzt müssen Menschen wegen Krieg und Armut flüchten. Und das Thema Flucht wird diese Gesellschaft noch sehr lange begleiten! Das ist erst der Anfang.

Daher gilt es kurzfristig sowie langfristig sofort Maßnahmen von den Entscheidungsträger:innen einzuleiten, damit ist ebenfalls direkt Deutschland gemeint! Denn zurzeit leben Tausende geflüchtete Menschen genau vor den Toren Europas, die akut in Not sind. Sie sind traumatisiert, ohne ein sicheres Dach über dem Kopf und wurden monatelang unter Corona isoliert im Camp festgehalten. Ihre Demonstrationen wurden klein geschlagen und nur durch eigene Selbstorganisation konnte sich ein wenig geholfen werden. Diese Zustände sind bei ihrem Namen zu nennen, das ist Rassismus, das ist Politik auf dem Rücken unterdrückter Menschen. Menschen ertrinken im Mittelmeer und es gibt keine sichere Fluchtrouten. Und angekommen in Deutschland machen auch Racial Profiling und Polizeigewalt kein Halt vor BlPoC.⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀
BIPoC aus dem globalen Süden sind also viel stärker von der Klimakrise betroffen und werden zur Flucht gezwungen, obwohl sie kaum zur Klimakrise beitragen. Sie haben viel zusagen, doch es wird ihnen nicht zugehört! Trotz all der Widerstände organisieren sie sich, leisten Widerstand, arbeiten aktivistisch in den eigenen Communities und sind politisch aktiv. Dabei klagen sie die Verantwortlich dafür an. Sie haben keine Lust mehr als Opfer dargestellt zu werden, wo kontinuierliche Gewalt als „Normalzustand“ wahrgenommen wird, nur damit sich unser weißes Selbstkonzelt nicht selbstkritisch und differenziert mit der Situation auseinandersetzen muss! Differenziert ist hier das Stichwort. Großkonzerne und die Regierung in unserem Land sind vielfach verantwortlich für globale Ungerechtigkeit und Unterdrückung im globalen Süden. Deutsche Bank, Rheinmetall, RWE, Thyssian Krupp, BMW, Bayer, Adidas, Kik und viele weitere. Der Globale Norden hat endlich seine Verantwortung zu tragen! Er hat nach dem Verursacher:innenprinzip dafür Sorge zu tragen, dass die Klimakrise begrenzt wird und er Menschenrechte auch außerhalb der Nationalgrenzen einhält!
Doch es gibt keinen großen Gerechtigkeitsaufschrei in der öffentlichen Berichterstattung…

Genau so wenig wie es keinen Aufschrei zur Jahrzehntelangen Aufrüstung in Deutschland gibt. Es kann nicht sein dass Deutschland nach dem 2. Weltkrieg und allem was passiert ist, einer der größten Rüstungsexporteure ist und munter Panzer nach Jemen und Lybien gelangen.

Es kann nicht sein, dass Aufarbeitung und Verantwortungsübernahme von seitens der Imperialstaaten verhindert werden und die Ausbeutung der Kolonialstaaten unbeachtet bleiben. Der Kreislauf von Rassismus, Kapitalismus und Diskriminierung muss durchbrochen werden. Die Bundesregierung muss Verantwortung übernehmen!

Und es liegt nicht an politischer Unmachbarkeit. Es fehlt schlichtweg die politische Motivation. Ähnlich verhält es sich mit der Klimakrise. Umso wichtiger, dass wir unsere Rechte einfordern! Klagen einreichen und füreinander zusammen stehen.

BIPoC dürfen deshalb bei der öffentlichen Debatte um Klimawandel nicht verdrängt werden. Es ist unsere Pflicht zusammen für eine bessere Zukunft und die Gleichstellung von BIPoC zu kämpfen.

Neben dieser Gewalt zwischen globalen Norden und Süden gibt es die Hierarchie zwischen Jung und alt, die es zu überwinden gilt.
Es gilt generationenübergreifend zu handeln! Was noch vor einigen Jahren wichtig war, Ist nach heutigen Klimastandards untragbar und kann getrost weggelassen werden.
Doch dafür muss auch fachgerecht analysiert werden. So sind die Pläne vom Verkehrswegeplan 2030 teilweise Jahrzehnte alt! Ohne je nach heutigen Ansprüchen von Klimaschutz und intergenerationaler Verpflichtung betrachtet worden zu sein.

Etliche Bundesstraßen und Autobahnen werden nach diesem Prinzip aktuell gebaut und fertig gestellt. So auch die B10 die von Pirmasens nach Landau vierspurig durch das größte zusammenhängende Biosphären Reservats Deutschland ausgebaut werden soll, bzw teilweise schon wird.

Wurden wir junge Generation dabei berücksichtigt? Nein! Es geht um Profit, LKWs die einige Minuten weniger brauchen auf Kosten von Natur und Mensch. An die nächsten Generationen wird nicht gedacht, die Perspektiven reichen gerade noch bis zur nächsten Wahlperiode. Langfristige nachhaltige Pläne sehen anders aus! Es gilt zu verhindern was noch möglich ist. Besetzungen sprießen aus jedem Bundesland, junge Menschen, die nicht warten wollen bis auch die letzten das Problem sehen.

Und dabei ist Soziale Gerechtigkeit wegweisend! Ganz nach der Parole Leave no one behind! Es wird weiterhin abgeschoben, gekündigt, Wirtschaftsinteressen durchgesetzt; auf Kosten von Mensch und Natur. Denn der Kapitalismus ist überall. Und nicht jeder Mensch, kann sich Klimagerechtigkeit leisten! Und das gilt es zu ändern! Klimagerechtigkeit sollte keine Frage des Geldes oder der Bildung sein!. So unterschiedlich Lebensrealitäten sind, so verbunden sind sie miteinander.

Ob es um die Krankenversicherung bei einer chronisch kranken Personen geht, um die Arbeitsbedingungen im Krankenhaus für alle Pfleger:innen oder die Aufstockung von Personal im Kindergarten. Es braucht sozialgerechte Reformen und nicht nur ein paar kleine! Wohnen muss für alle sein! Mieten müssen bezahlbar sein! Menschen brauchen eine Existenzsicherung! Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen und Solidarischen Krankenkassen wäre so manches schon gemacht!

Es sollte sich als Klimagerechtigkeitsbewegung mit allen weltweiten Gerechtigkeitsbewegungen solidarisiert werden! Klimaschutz ist Menschenschutz. Für die Transformation unserer Gesellschaft. Feministisch, antirassistisch, ökologisch und menschlich, für ein gutes Leben für alle! Was das Zusammenleben aller Lebewesen meint, gegen die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung, unterschiedlichen Alters, Bildungsstands, Herkunft oder Religion, gegen Tierleid, gegen Waldabholzung. Gegen jede Form von Unterdrückung.

Und dabei geht es auch um jede Einzelne von uns! Konzerninteressen und Kapitalismus müssen begrenzt werden. Dafür ist es notwendig, dass „wir“ als Menschen, die in Deutschland gewisse Privilegien genießen, wie beispielsweise weiß zu sein, Geld zu haben, eine Schulbildung erhalten zu haben und ein stabiles familiäres Umfeld haben zu dürfen, weiterhin auf die Straßen gehen und aktiv sind! Auch wir uns organisieren und aus der passiven Rolle der Konsument:in ins Aktive gehen. Und uns nicht hinter individualisierten Bedürfnissen und Karriere und Familienwunsch verschanzen, sondern uns als Teil etwas größerem Begreifen. Das benötigt das protestiert wird! Und das braucht einen langen Atem! Erfolge treten oft zeitverzögert auf. Umso wichtiger Solidarität sprechen zu lassen und Utopien auch jetzt schon zu leben!

Das Klimacamp am Schloss in Karlsruhe ist dabei unter anderem eines dieser gesellschaftlichen Freiräume. Lasst uns kollektiv näher treten, raus aus der Vereinzelung rein in zwischenmenschliche Kontexte. Nachbarschaftshilfen initieren, solidarische Kinderbetreuung oder Bildungsnetzwerken schaffen. Und ganz wichtig lasst uns vernetzen mit den bereits existierenden Widerstandskämpfen rund um den Globus. Im globalen Süden ob in Niger Delta gegen Shell oder in indigenen Landschaften gegen den Bau von Ölpipelines.

Solidarität ist unsere stärkste Kraft. Gemeinsam sind wir stark. Und gemeinsam ist unser Widerstand umso lauter!

Klimakrise, Kapitalismus, Patriarchat, Rassismus, Polizeigewalt, Neokolonialismus, Krieg und Aufrüstung, Kontrolle und Überwachung, sie alle hängen zusammen und dagegen gilt es auch institutionell aktiv zu werden!

Daher nochmals ein lauter Appel an die Politik.
Liebe Politiker:innen, wenn denn welche hier mitlesen, wir fordern explizite klimagerechtigkeitspolitisches Maßnahmen in Ihrem Wahlprogramm! Wir wollen keine unklaren wagen Formulierungen mit großen Intepretationsmöglichkeiten.

Das ist und war der globalen Klimasituation niemals angemessen! Es geht um KlimaGerechtigkeit! Wir haben keine Lust mehr uns jedes Mal aufs neue mit Versprechungen zur deutschen Klimapolitik einlullen zu lassen. Liebe hier anwesenden Politiker:innen punkten sie mit Gewissenhaftigkeit und Wissenschaftlichen Ansätzen! Werden sie konkret!

What do we want? Climate Justice!
And when do we want that? Now!

Danke!

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Quellen: einige Textpassagen/Inhalte sind aus Chatverläufen der FFF Social Media Vernetzungsgruppe entnommen, sowie von Artikeln zusammengefügt

https://twitter.com/nowhitesaviors/status/1416088222820716552?s=19 https://taz.de/Nominierte-2020-Black-Earth-Kollektiv/!171703/ https://blackearthkollektiv.org/ https://t.me/fffmapa https://instagram.com/fridaysforfutureffm?utm_medium=copy_link https://instagram.com/fridaysforfuture.de?utm_medium=copy_link https://de.m.wikipedia.org/wiki/Klimaschutz https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kapitalismus

Unter FFF MAPA für „Most Affected People and Areas of Climate Crisis“ twittern international Aktivisti und halten über Ereignisse bei Fridaysforfuture im globalen Süden auf dem Laufen, große Empfehlung zum Abonnieren! Sowie dieser Telegramgruppe zu Antirassistischer Klimabewegung zu folgen und die kürzlich erschienene Broschüre zu Kolonialismus und Klimakrise von Locals United und Bundjugend zu lesen. Mehr Infos dazu gibt es hier: https://www.bundjugend.de/projekte/locals-united/kolonialismusundklimakrise/

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